Magazine, Rabenmuttertagebuch
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Neues Haus – Neues Leben?

Spielstrasse

Das Leben mit Kindern verändert erst einmal alles. Nicht nur den eigenen Körper, das Schlafverhalten und oft auch die Beziehungen zum Mann und zu Freunden. Auch die Bedürfnisse und nicht selten der Blick auf die Dinge wandeln sich oft, wenn Kids da sind. Aus vernünftigen Frauen werden besserwisserische Glucken, aus trendbewussten Citygirls grüne Landeier.

Das Thema Wohnen hat uns lange umgetrieben. Zentrale Etagenwohnung ohne Garten in der Stadt oder idyllisch mit viel Platz das Haus auf dem Land? Nach langem Hin und Her und aus Mangel an Kaufoptionen haben wir es dann gewagt. Den Sprung aus dem Düsseldorfer Szeneviertel in die Vorstadt. Und bereust Du´s? werd ich immer wieder gefragt. Ja und Nein lautet die Antwort.

 

Zahnbürsten

Ein Jahr ist es her: Unser Wagnis, unser Neustart, unser Abenteuer. Was klingt wie der Beginn einer Reise, war für uns ein Umzug in die Kleinstadt. Raus aus der richtigen Stadt, unserem Block, mit Lieblingsläden, Cafés, Spielplätzen und allem Bekannten und Erprobtem, weg von den Freunden. Rein in die Vorstadt mit neuer Kita, neuen Nachbarn, neuem Umfeld …

Wie viele junge Familien haben auch wir lange Zeit nach der adäquaten Lösung in der Stadt gesucht, vom Hinterhofhaus mit Garten geträumt. Wir brauchten Platz: zwei Kinderzimmer, Arbeitszimmer, Garten und unser gewohntes offenes Wohnen mit Wohnküche und hellen Räumen. Und irgendwann war klar, bezahlbar ist das nur noch weiter draussen.

 

Haus

“Das ist ja so idyllisch bei Euch, ein Traum.” Ja, das ist es,  vor allem dann, wenn die Sonne scheint und Besuch da ist. Wenn er wieder fährt, ab in die Stadt, wünscht sich ein großer Teil von mir zurück. Immer wieder. Denn die Umstellung von Innenstadt zu Vorstadt ist groß. Und anders als erwartet. Mein Alltag hat sich um 180 Grad gedreht. In meinem alten Viertel konnte ich zahlreiche Spielplätze um die Ecke ansteuern. Getroffen hab ich immer jemandem, mit dem ich mir den Spielplatznachmittag versüsst habe.

 

Hof

Hier sind Spielplätze und Parks leer. Im Vorstadtleben mit Einfamilienhäusern hat jeder seinen Garten mit Spielplatz zu Hause und verirrt sich selten zum städtischen Großraumangebot. Vom hippen Café um die Ecke, das mein Caramel-Fleur-de-Sel-Eis und meinen Coffee to go liefert samt dem kurzen Shoppingstop im Lieblingsladen ganz zu schweigen. Vorstadt-MAMM bleibt zu Hause, ganz nach Klischée, backt Kuchen und lädt ein.

 

Haus

Zu Hause bleiben ist das Stichwort. Seitdem wir hier sind, spielt sich gefühlte 90 Prozent Lebenszeit in meinen eigenen vier bzw. vierzig Wänden ab. Denn mehr Raum haben wir jetzt allemal, der bespielt und gepflegt werden will. 200 Quadrahtmeter Putzfläche, ein Traum. Die Putzfrau ist leider nicht mit umgezogen, genausowenig wie mein Sportstudio um die Ecke und meine Lieblingsbar für MAMMs Night out …

 

Haus

Dafür hat jetzt jedes Kind sein eigenes Zimmer mit Blick ins Grüne. Und unsere zwei Autos einen eigenen Parkplatz. Nachts herrscht friedliche Stille, von gelegentlichem Katzenjammer und Krötengequake im Garten abgesehen. Morgenstreitereien wegen Bobbycarfahren, Springen und Hüpfen ab sieben Uhr fallen weg, genauso wie der genervte Anruf von unten. Wir haben viel Bewegungsraum mit Garten, Terrasse und den Wald samt Spielplatz um die Ecke. Und ja, meine Kinder können auf der Straße spielen, ohne dass ich Angst haben muss, dass sie von einem Laster überrollt werden. Die Spielstraße ist keine Gefahr, sondern eine ideale Spielbahn für Rollschuh-  und Radfahrübungen, selbst Kreide auf der Straße malen geht. Anstelle von Junkies trollen sich jetzt Senioren mit Hunden vor unserer Haustüre. Klar, ist das schön.

 

Gummistiefel

Im Gemüse-Garten wartet mein Mittagessen darauf geerntet zu werden und das Holz für den Kamin, gestapelt zu werden. Meine Nachbarn grüßen mich, wenn ich nach Hause komme freundlich, aber eben auch nicht mehr, eine Generationenfrage. Die vielen gleichaltrigen Kinder lassen sich nur am Lärm in den Gärten erahnen, der Kontakt fällt längst nicht so leicht wie früher. Idyllisch, ja, aber auch irgendwie einsam. Das aufregendere Leben spielt sich jetzt wo anders ab, in der Stadt, so scheint es.

 

 

So what?

Der Sommer mit Kids lohnt sich im Grünen. Das ist klar. Aber trotzdem. Dieses Gefühl von Entrücktsein, etwas zu verpassen und außen vor sein, im wahrsten Sinne des Wortes, bleibt. Abseits vom Neuem, Spannendem, hinein in eine Welt, in der jeder täglich daran baut, für sich zu sein. Da fehlt mir die Spontanität, Offenheit und ein abendlicher Rotwein auf dem Balkon gegenüber.

 

Mal sehen, wie es weitergeht …

Eure Wiebke

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