Magazine, Rabenmuttertagebuch

Geschwisterliebe – Einer schreit immer

Rheinstrand in Benrath

Ich dachte immer, wenn schon Kinder bekommen, dann mehrere. Geschwister zu haben, ist etwas Schönes. Sie können miteinander spielen und langweilen sich nicht so schnell mit den Eltern. Ich stellte mir harmonische Nachmittage vor, in denen ich nebenbei vielleicht sogar mal etwas erledigen kann. Die Kinder beschäftigen sich miteinander, oder zumindest nebeneinander, meist friedlich und fröhlich. Soweit zur prä-geschwisterlichen Vorstellung.

Als ich dann selbst zwei Kinder hatte, mit nur 17 Monaten Abstand, da zerplatze diese Traumblase mit einem lauten Knall. Schon kurz nach der Geburt ging sie los – die Rivalität, die Konkurrenz, der Kampf, um die Gunst von Mama und Papa. Er tobt seitdem. Viele Nerven sind ihm schon zum Opfer gefallen. Viele Tränen geflossen, bei den Kindern und bei mir.

Zwei Jungen, wie sie unterschiedlicher nicht sein können. Schon optisch hält sie keiner für Brüder und auch vom Wesen her sind sie sehr verschieden. Will der eine Eis, möchte der andere Würstchen. Frage ich, wollen wir zu Hause bleiben oder auf den Spielplatz gehen, bekomme ich grundsätzlich zwei gegensätzliche Antworten. Der eine ist sportlich, der andere weniger. Der eine mag im Auto lieber Hörspiele, der andere hört lieber Musik. So könnte ich unendlich weitermachen und das Fazit bleibt immer: Ich kann es beiden nie gleichzeitig recht machen – einer schreit immer.

Zurzeit können beide nicht miteinander. Sie streiten in einer Tour. Der eine kreischt und beißt, der andere knurrt und boxt. Schmerzhaft endet es immer, wenn ich nicht rechtzeitig einschreite. Und das bedeutet permanent wachsam zu sein, sobald beide Kinder im selben Raum sind.

Unternehmen sie etwas getrennt, was immer ein ziemlicher logistischer Aufwand ist und nur durch Oma oder Opa bewerkstelligt werden kann, fragen sie sofort, wo denn der andere ist. Sie können nicht mit-, aber auch nicht ohne einander. So ist sie wohl, die Geschwisterliebe. Jedenfalls zurzeit, bei uns.

Und dann gibt es sie doch, diese Momente der liebevollen Zweisamkeit. Immer dann, wenn man sie am wenigsten erwartet oder gebrauchen kann. Morgens, wenn es eigentlich schnell in die Kita oder abends ins Bett gehen soll. So freudig, so vertraut, so liebevoll.

Wenn einer von den Eltern oder anderen Kindern Ärger bekommt, dann treten sie sofort für den anderen ein, verteidigen ihn lautstark oder fangen mit ihm an zu weinen. So ist sie, die Geschwisterliebe.

Ich hoffe sehr, dass die guten Tage bald wieder überwiegen, denn Geschwister zu haben kann doch so schön sein!

Weiterführende Links:

http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/was-tun-wenn-sich-die-geschwisterkinder-streiten-13730470.html

http://www.familylab.de/files/Artikel_PDFs/familylab-Artikel/Konflikte_zwischen_Kindern.pdf